Bushcraft – Knotting

Die Knotenkunde und Fancyworks haben nicht nur in der Seefahrt, beim Bergsteigen, den Rettundsdiensten, der Forst- und Waldwirtschaft etc. einen hohen Stellenwert, sondern auch beim Bushcrafting. 

Knoten und Tauwerksarbeiten muss man immer wieder einmal üben (ich auch), damit alles, ohne groß nachdenken zu müssen, zügig gelingt.

Auf geht’s:

Zurrknoten oder Fuhrmannsknoten (Trucker’s Hitch), um eine Firstleine (Ridge Line) oder sonstige Verzurrung extrem stark spannen zu können.

….. die nachfolgende Alternative werde ich in der Praxis einsetzen:

Schmetterlingsknoten (Alpine Butterfly Knot / Artillery Loop), um in eine Leine eine oder mehrere unverrückbare Schlaufen einzuscheren.

Stopperstek (Taut Line Hitch), um eine Leine an einer bereits steifen Leine verschiebbar anzubringen – unter Spannung kommt die 2. Leine steif – kann man gut bei Zeltabspannleinen einsetzen, dann braucht man keine überflüssigen Spannhilfen.

Für Abspannleinen verwende ich 4 mm Paracord 550. Weil Paracord aber recht glatt und ‘rutschig’ ist, winde ich das Arbeitsende immer dreimal um die stehende Part, bevor ich den Sicherungsschlag als Slip draufsetze. Bei 3 Windungen bekneift sich Paracord wesentlich besser, wenn Zug draufkommt.

Prusikknoten (Prusik-Knot), um eine Schlinge (Loop) an einer festen Leine an beliebiger Stelle anzubringen – unter Last verrutscht die Schlinge nicht mehr – löst man den Prusikknoten leicht, läßt sich die Schlinge, z.B. auf einer Firstleine (Ridge Line), dorthin verschieben, wo man sie braucht, um z.B. die LED-Leuchte oder andere leichtere Gegenstände aufzuhängen.

Spierenstich (Fisherman’s-Knot), um eine beliebig große Schlaufe (Loop) anzufertigen oder zwei Leinen miteinander zu verbinden. Mit so einer Schlaufe läßt sich dann schnell ein Prusikknoten nutzen. Den Spierenstich führt man einfach oder doppelt gesteckt aus.

….. und bei einer meiner Knoten-Übungsstunden ist mir eine Schlingenvariante eingefallen, indem ich vorzugsweise einen doppelten Spierenstich (oder auch doppelten Überhandknoten) mit einem Gordingstek kombiniert habe:

Der Vorteil dieser Schlinge (Loop) ist es, dass man sie öffnen und schließen kann, ohne die Knoten neu knüpfen zu müssen. Beim doppelten Spierenstich steckt man das kurze Ende der Leine durch das entstandene Auge am Leinenende und zieht danach das Auge fest zu. Dadurch bekommt der ‘Boppel’ am Ende fast das Aussehen eines Diamantknotens. Auch lässt sich die Schlingengröße später noch ziemlich beliebig kürzen, indem man einen oder beide Knoten versetzt.
Da die einzelnen Knoten bereits im Ashley Book of Knots zu finden sind, kann ich wohl kein Urheberrecht an dieser pfiffigen Schlinge geltend machen. Ich nenne diese Schlinge ab sofort ‘The Big Max Loop’ oder die ‘Manni Schlinge’. Man kann sie auch gut als Softschäkel einsetzen, ist jedoch wesentlich einfacher herzustellen (ohne Spleißwerkzeug), als ein Standard-Softschäkel (s.u.). Die Größe bestimmt man nach Anforderung selber. Besonders, wenn man sie aus 4 mm Dyneemaleine (oder dicker) anfertigt, kann man sie auch nach Belastung wieder leicht öffnen und das bei einer Arbeitslast von ca. 700 Kg. Natürlich reicht Paracord 550 fürs Bushcrafting völlig aus:

Palstek (Bowline Knot), um ein festes Auge, beliebiger Größe, am Ende einer Leine herzustellen:

Laufender Palstek (Running Bowline Knot), 

um eine Schlinge direkt, z.B. um einen Baum zu legen.

Natürlich kann man auch den Zimmermannsschlag (Timber Hitch) für diese Anwendung benutzen:

 

Wenn ich den Zimmermannsschlag gelegentlich benutze, schlage ich das kurze Ende 5x um das Seil und lasse das kurze Ende länger überstehen, als hier gezeigt (ca. 30 cm).

Gording-Knoten ….. die US-Amerikaner nennen ihn den THE NEVER EVER OPEN AGAIN KNOT. Der Knoten, der niemals wieder aufgeht, es sei denn, man greift zum Messer, z.B. um einen Schäkel mit einem Fall zu verbinden. In dem Auge steckt in unserem Beispiel aber nicht der Schäkel, sondern der Baum.
Da wir den Knoten auch wieder leicht öffnen wollen, legen wir den letzten Schlag mit dem kurzen Ende auf Slip und ziehen die Schlinge schlupflos am Baum zu. Ein kräftiger Ruck am Ende des Slips löst den Knoten wieder auf.

Wenn man genau hinschaut, dann erkennt man, dass der Gording-Knoten ein Webeleinenstek um das Seil ist, in diesem Beispiel von außen nach innen gesteckt – hier von links nach rechts.

Das kurze Ende = das Arbeitsende ist der Teil des Seiles, das man um den Baum schlingt.

….. Gording-Slip-Knoten


….. meine bisher bevorzugte Methode, weil mir der Gording-Knoten aus dem Segelsport bereits sehr vertraut ist.

Anmerkung: Man beachte, dass die hier gezeigte rote Leine aus Polypropylen besteht, das Material, das sich m.E. für den Outdooreinsatz nicht sonderlich eignet.

….. der nachfolgende Acht-Slip-Knoten ist vielleicht eine noch schönere Variante, um eine Firstleine an einen Baum zu befestigen und auch wieder leicht lösen zu können. Der Knoten ist für mich neu, deshalb habe ich ihn sofort geübt und kann ihn bereits sicher ausführen:

Ich befestige die Abspannleinen an meinem Tarp oder Zelt mit diesem Slip-Knoten, sofern ich die Leinen nicht dauerhaft angeschlagen lassen will, dann wähle ich lieber den Palstek.

Diamantknoten (Diamond Knot), braucht man als Abschluss für die Anfertigung eines Softschäkels – zur Not reicht aber auch ein Überhandknoten, was allerdings nicht so profihaft aussieht:

….. meine Lieblingsmethode

Karabiner lassen sich durch selbst hergestellte Softschäkel ersetzen. Ein Softschäkel aus 4 mm Dyneemaleine hat eine Bruchlast von 1,3 Tonnen, das dürfte wohl reichen.

Die erforderliche Spleissnadel, bastelt man sich selber aus einem dünnen Stück Draht und einem Korken als Endstück:

Eine Whoopie Sling ist eine ‘sexy’ Vorrichtung aus 4 mm Dyneema-Leine, z.B. um eine justierbare Spannvorrichtung auf beiden Seiten einer Hängematte herzustellen:

Whoopie Slings, Softschäkel (Soft Shakles) und Schlaufen (Loops) etc. bastele ich mir natürlich selber. Nicht weil es erheblich preiswerter ist, sondern weil es mir viel Freude bereitet, dass ich diese kleinen Fertigkeiten beherrsche.

….. meine beiden Erstlingswerke

Ich nehme für eine Whoopie Sling 4 m Dyneema 4 mm, das ergibt dann eine Sling von ca. 2 m Länge. Für einen Softschäkel nehme ich 50 cm Dyneema 4 mm.

4 mm Dyneema hat eine Bruchlast von 1,3 Tonnen – sh. Tabelle. Als sichere Arbeitslast wird jeweils 50% angesehen.

Die vielen angepriesenen Karabiner und Leinenspanner (Dutch Ware: https://dutchwaregear.com/) sind nett, aber absolut überflüssig, wenn man die wenigen Knoten beherrscht.

Wissende wenden dafür den Zurrknoten an!

Mein Anspruch ist es, ohne Metallteile (Karabiner, O- u. D-Ringe, Spanner für Abspannleinen etc.) auszukommen, weil man damit nur unnötiges Gewicht mit sich herumschleppen muss.

Backpacker, Bushcrafter & Survivalists achten darauf.

Wer eine Einführung zum Thema möchte, dem empfehle ich auch meine Seminarunterlagen Knoten & Steke (dalli click) und Fancyworks (dalli click). Ich bin ganz vernarrt in die Knotenkunst & Fancyworks.